In der neuen Folge haben Steffi und ich uns durch die Pflanzenfasern gearbeitet. Einmal grob quer durch, von Leinen bis zu Fasern, die kaum noch jemand kennt. Eine Stunde reicht da nur für den Überblick. Also hole ich mir eine raus und gehe in der nächsten Folge richtig in die Tiefe. Welche das wird, entscheidest du.
Hier die fünf, kurz vorgestellt, mit dem, was bei mir hängengeblieben ist.
Leinen
Meine liebste, ehrlich gesagt. Eine Bastfaser aus dem Stängel der Flachspflanze, und eine der ältesten, die der Mensch überhaupt für Textilien genutzt hat. Mich packt vor allem die europäische Geschichte dahinter. Im Mittelalter trug man Leinen direkt auf der Haut, als Unterkleid, und darüber kam die Wolle. Dann hat die Baumwolle das Leinen im 19. Jahrhundert fast verdrängt, einfach weil sie leichter zu verarbeiten ist. Ich selbst trage im Sommer in Griechenland fast nur Leinenhosen. Echtes, volles Leinen zu finden ist gar nicht so leicht, oft ist nur ein kleiner Anteil drin und der Rest Baumwolle.
Hanf
Bei Hanf grinsen viele erst mal. Dabei ist es eine grandiose Faser. Wieder eine Bastfaser, mit ähnlichen Vorteilen wie Leinen: wenig Fläche, wenig Wasser, kaum Pestizide, wehrt Schädlinge sogar selbst ab. Für Textilien sind in der EU nur Sorten unter 0,2 % THC erlaubt, also nichts mit Rausch. Uralt ist sie auch, der älteste Nachweis liegt bei rund 2800 vor Christus. Ich habe selbst eine kleine Hanf-Geschichte: Ich wollte mal ein Garn aus Hanf und Merino machen. 50 zu 50 war viel zu viel, das fühlte sich an wie ein Seil. Und in Deutschland wollte mir den Hanf keine Spinnerei verarbeiten, weil er so stark staubt. So nah dran und am Ende doch nicht meins.
Ramie
Gesprochen „Rami“. Diesmal keine europäische Faser, sie kommt aus Asien und heißt auch Chinagras. Das Spannende: Es ist eine Nesselfaser, eng verwandt mit unserer heimischen Brennnessel. Optisch wird sie gern mit Leinen verglichen, hat aber ihren eigenen Charakter, einen seidigen Glanz und viel Festigkeit. Auch uralt, gefunden wurde sie sogar in ägyptischen Mumienbinden. Wegen des Glanzes gilt sie als eine Art Premium-Naturfaser. Ich hatte früher mal ein Garn mit Ramie im Sortiment und mag sie sehr. Nur findet man sie fast immer im Mix mit Merino, und davon bin ich weg.
Kapok
Die Exotin, und für mich eine der faszinierendsten. Anders als die anderen ist es keine Bastfaser, sondern eine Samenfaser, sie wächst in den Kapseln eines großen Baumes. Ich kenne sie selbst erst seit ein paar Jahren, aus einer Doku über fast vergessene Fasern. Man nennt sie die Pflanzendaune: federleicht, früher Füllung für Kissen, Stofftiere, sogar Schwimmwesten. Lange galt sie als nicht verspinnbar, erst 1912 gelang das in Chemnitz, blieb aber unwirtschaftlich. Heute steckt sie zum Beispiel in ökologischer Trittschalldämmung unter Parkett. Mich begeistert, dass es für fast alles eine pflanzliche Alternative gibt.
Kenaf
Die kenne ich aus dem eigenen Beet. Kenaf gehört zu den Malvengewächsen, botanisch Hibiscus cannabinus, mit einer schönen Hibiskusblüte. In Deutschland wächst sie problemlos, wird aber nur ein bis zwei Meter hoch statt fünf wie in Afrika, dafür ist es hier zu kühl. Die Blätter sehen dem Hanf zum Verwechseln ähnlich, entsprechend schräg haben die Nachbarn die ersten Jahre geguckt. Auch eine Bastfaser. In Afrika nutzt man sie für so ziemlich alles, Fasern, Rohre, sogar als Nahrung. Und die Blüte öffnet sich vor Sonnenaufgang und ist mittags schon wieder verblüht.
Und jetzt du
Drei davon, Ramie, Kapok und Kenaf, hat wahrscheinlich kaum jemand von euch je in der Hand gehabt. Genau deshalb reizen sie mich. Welche soll ich in der nächsten Folge wirklich auseinandernehmen? Stimm direkt hier ab.
Welche Pflanzenfaser sollen wir in einer der nächsten Folgen vertiefen?
Noch mehr zu Fasern und nachhaltiger Wolle findest du in unserer Wolle-Datenbank.
Mehr Wollwissen per Newsletter
Neue Artikel, Betriebe & Events – direkt ins Postfach.