Zum Inhalt springen

Vom Rhein auf die Nadel, wie rh:ool Yarn Düsseldorfer Schafwolle rettet

Ein Telefonat und eine Idee

Es war ein Gespräch mit einem Schäfer im Jahr 2019, das alles ins Rollen brachte. Die Frage, was eigentlich mit der Wolle der Düsseldorfer Rheinschafe passiert, blieb im Raum stehen, und die Antwort lautete: kaum etwas. Also beschloss sie, das zu ändern. Der erste Schritt? Viel telefonieren. Was als Suche nach einer bezahlbaren Spinnerei begann, entpuppte sich schnell als komplexes Puzzle: Sortieren, Waschen, Transportieren, Spinnen. Plötzlich ging es nicht mehr nur um eine Spinnerei, sondern um ein ganzes Netzwerk an Betrieben, die mit kleinen Mengen und speziellen Fasern umgehen konnten. 2021 war es dann soweit: rh:ool Yarn nahm Gestalt an. Der Name ist ein Kofferwort aus „rheinisch“ und „Wool“.

Schwarze Schafe und bunte Vliese

Die Garne von rh:ool Yarn tragen Fantasienamen nach dem Muster rh:ool xxx // Stadt Jahrgang, also zum Beispiel rh:ool solo // köln ’24. Besonders die Schwarzkopfschafe faszinieren sie: eigentlich eine Fleischrasse, deren Wolle durch ihre starke Kräuselung fast teddyartig wirkt und im Garn für viel Elastizität sorgt. Doch am meisten zieht es sie zu den „bunten“ Schafen, deren Wolle bei Großhändlern oft durchs Raster fällt. „Ich hab sozusagen ein Herz für schwarze Schafe“, sagt sie und lacht.

Die Wolle für die Garne stammt von Schafen, die in Düsseldorf auf den Rheinwiesen und in Köln auf dem Äußeren Grüngürtel weiden. Die Garne gibt es in Jahrgängen wie beim Wein, denn die Zusammensetzung unterscheidet sich jedes Jahr. Deshalb ist auch die Grundfarbe immer etwas anders. Ihre besondere Note bekommen die Garne dadurch, dass die dunkle Wolle nicht aussortiert wird. Doch bevor aus der Rohwolle ein Garn wie die „rh:ool solo // köln ’24“ wird, durchläuft sie einen aufwändigen Prozess: Zuerst geht es nach Bremen zum Sortieren, wo Schmutzwolle und ungeeignete Vliese aussortiert werden. Dann wird die Wolle verpresst und in eine Wäscherei nach Belgien gebracht. „Ich würde auch gerne in Deutschland waschen, aber große Wollwäschereien, die die Wolle in entsprechender Qualität für große Spinnereien waschen, gibt es hier leider nicht mehr“, sagt sie. Zurück in Deutschland landet die gewaschene Wolle in der Spinnerei in Wagenfeld, wo über Ausspinnungen, Dicke und Verzwirnung entschieden wird. Die Farbe kommt erst zum Schluss hinzu, direkt in der Spinnerei, um Transportwege zu sparen. „Das Aussuchen der Farben ist tatsächlich meine größte Herausforderung“, erzählt sie, „weil die Farben ja nicht nur einzeln hübsch sein müssen, sondern auch zusammen gut aussehen sollten.“

Von Wollfesten und neugierigen Kund:innen

rh:ool Yarn ist nicht nur online zu finden, sondern auch beim Rheinischen Wollmarkt in Euskirchen oder im Düsseldorfer Wollgeschäft ‚Utlindes Wollbefinden‘. Die Handarbeits-Community in der Region erlebt sie als vielfältig, mit unterschiedlichen „Bubbles“, wie sie es nennt. Ihre eigene Bubble? Die, die Wert auf Herkunft, Wärme und einen rustikalen Look legt. Ihre Kund:innen melden ihr mit viel Begeisterung zurück, wie sehr sie es lieben, dass sie wissen, wo die Wolle herkommt, dass sie sich toll für Colorwork eignet und „endlich mal richtig warmhält“. Besonders freut sie sich über Begegnungen, bei denen Menschen mit Neugier auf die Wolle und ihre Geschichte zugehen, etwa wenn Kund:innen aus Köln oder Düsseldorf die Schafe persönlich kennen.

Ein typischer Tag bei rh:ool Yarn? Den gibt es nicht. Mal geht es um die Organisation nach der Schur (Abholung, Sortierung, Wäsche, Spinnproben), mal um den Online-Shop, Wollfeste, Päckchen packen oder Musterstücke stricken. „Öfter mal was Neues“, fasst sie es zusammen.

Träume und technische Grenzen

Wenn sie an die nächsten Jahre denkt, stößt sie schnell an Grenzen, nicht aus Mangel an Ideen, sondern an Infrastruktur. In Deutschland fehlen kleine Spinnereien und Wäschereien, die kleinere Partien verarbeiten können. Und am Ende brauche es auch Preise, die sich jemand leisten kann, auf beiden Seiten. „Ich kann da niemandem einen Vorwurf machen.“ „Mein großes Vorbild sind da die Briten“, sagt sie. Sie hätten ähnliche klimatische Bedingungen, aber teilweise beeindruckend feine Fasern und viel Knowhow darüber, wie man diese Fasern optimal verarbeitet: wie geschoren, sortiert und gewaschen wird, wie viel Drall in die Fasern kommt, ob man kämmt oder krempelt. Ihr Traum? Dass dieses Wissen auch in Deutschland wieder aufgebaut wird, damit der Rohstoff Schafwolle bestmöglich genutzt werden kann. Bis dahin bleibt sie dran: mit regionaler Wolle, viel Neugier und einem Herz für die schwarzen Schafe.

rh:ool Yarn
Online

rh:ool Yarn

Garn & Wolle+1 weitere Nordrhein-Westfalen

Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah! Der...

Newsletter

Mehr Wollwissen per Newsletter

Neue Artikel, Betriebe & Events – direkt ins Postfach.