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Das Coburger Fuchsschaf und sein goldenes Vlies

Also, das Coburger Fuchsschaf hat mich wirklich überrascht. Ich kannte die Rasse vom Namen, aus meiner früheren Online-Shop-Zeit, immer wieder ist mir Coburger Fuchs begegnet. Viel versponnen, viel geschwärmt. Richtig beschäftigt damit habe ich mich aber lange nicht. Das habe ich jetzt nachgeholt.

Und je mehr ich gelesen und gehört habe, desto klarer wurde mir, wie besonders dieses Schaf eigentlich ist. Von der Farbe, vom Vlies, von der Geschichte. Und auch davon, wie knapp das alles schon mal war.

Das goldene Vlies und die Farbe

Wir sind eingestiegen über die griechische Sage vom goldenen Vlies, weil man beim Coburger Fuchsschaf eben auch vom goldenen Vlies spricht. Und das passt wirklich gut. Das Vlies ist in der Naturfarbe schon so schön, dass ich es persönlich fast zu schade finde, es zu färben.

Spannend ist vor allem der Farbverlauf. Die Lämmer kommen in Tönen zwischen goldgelb und rotbraun auf die Welt. So schokobraun, rotbraun, das hält sich etwa sechs bis zwölf Monate. Und dann hellt das Vlies nach und nach auf. Am Ende hast du ein beiges Vlies mit diesen rotbraunen Stichelhaaren dazwischen. Und genau diese Stichelhaare geben dem Garn diesen leicht goldenen, leicht rotbraunen Touch, dieses melierte Spiel, das man sonst selten findet.

Der Kopf und die Beine bleiben rotbraun, unbewollt, und das sieht einfach wahnsinnig niedlich aus. Gerade wenn der Körper schon hell ist und Kopf und Beine noch dieses Rotbraun tragen.

Wolleigenschaften und Verwendung

Von der Feinheit her liegt die Wolle so zwischen 33 und 36 Mikron. Also nichts für Merino-Weichzeichner, aber auch nicht extrem kratzig. Meiner Meinung nach ideal für robuste Pullover, Strickjacken, wo man eh meist noch was darunter trägt. Oder auch für Colorwork, wenn man sich einen passenden Kontrastton dazuholt.

Für mich ist Coburger Fuchs vor allem eine tolle Spinnfaser. Steffi ist damit schon vor über zehn Jahren in Berührung gekommen, ich kenne sie eher aus der Händler-Perspektive. Sie sagt, sie lässt sich super verspinnen und ist gerade für Spinnanfänger gut geeignet. Und ich glaube das sofort. Die Faser ist robuster, verzeiht ein bisschen mehr, ohne direkt störrisch zu sein.

Verwendet wird die Wolle viel für Teppiche und für alles, was ein bisschen was aushalten soll. Teppiche, Outdoor-Kleidung, Landhausmode, so Dinge in der Richtung. Im Handspinnbereich sind Garne aus Coburger Fuchs beliebt und es gibt Leute, die sie sogar für Socken nutzen, einfach weil sie so robust ist.

Spannend fand ich auch, dass es eine Erzeugergenossenschaft gibt, die sich „Das Goldene Vlies eG“ nennt. Über 50 Produkte aus Coburger Fuchs, von Einlegesohlen über Strümpfe bis Pullover und Mützen. Also wirklich eine Menge, nur aus dieser einen Rasse.

Rassemerkmale und Zucht

Das Coburger Fuchsschaf ist eine alte, anspruchslose Landschaftsrasse für karge Mittelgebirgslandschaften. Genau dafür wurde sie gezüchtet. Hornloser, schmaler Landschaftskopf, bis hinter die Ohren unbewollt, Beine ebenfalls unbewollt und rotbraun. Leicht hängende Ohren, zum Teil mit einem Aalstrich entlang der Rückenlinie. Viele finden die Tiere einfach nur knuffig, und ich auch.

Vom Gewicht her hat sich einiges getan. Als Otto Stritzel mit den Tieren gearbeitet hat, lagen die Mutterschafe bei etwa 35 Kilo. Durch gezielte Zucht und Einkreuzungen (unter anderem Welsh Mountain, französische Farbschläge wie Solonjot, niederländische Rassen wie Texel und etwas Merinolandschaf) wurde das Durchschnittsgewicht deutlich erhöht. Heute liegen die Mutterschafe bei etwa 60 bis 85 Kilo, Altböcke bei 85 bis 105 Kilo.

Wichtig in der Zucht sind Glanz, Farbe und eine gleichmäßige Wollfeinheit. Es wird darauf geachtet, dass die Stichelhaare nicht zu grob werden und dass sie rotbraun bleiben. Schwarze Stichelhaare gelten als unerwünscht und die betreffenden Tiere werden dann nicht in der Zucht weiterverwendet.

Beim Vlies sind die Stichelhaare nicht bloß eine Decke oben drauf, sie sitzen gleichmäßig verteilt in der Wolle. Vom Griff her sind sie härter als die Unterwolle, aber nicht so extrem, wie man es von manchen anderen Rassen kennt. Steffi hat zum Beispiel Steinschaf als „Endgegner“ beschrieben, da ist der Unterschied eine ganz andere Hausnummer.

Fast ausgestorben und dann gerettet

Geschichtlich wird es richtig heftig. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Coburger Fuchsschaf gut verbreitet, gerade weil es so gut in die Mittelgebirge passte. In der Provinz Coburg waren um 1900 etwa 60 Prozent des Schafbestandes fuchsköpfige, schlichtwollige Tiere, also Coburger Fuchsschafe.

Mit dem Nationalsozialismus kam dann der Fokus auf Leistungswettbewerb, Fleischleistung, möglichst viel Gewicht. Da konnte das Coburger Fuchsschaf nicht mithalten. Es wurde immer weniger gezüchtet, bis es fast verschwunden war. In Bayern gab es Anfang der 80er-Jahre gerade mal zwei Herdbuchbetriebe mit etwa 100 eingetragenen Muttertieren und in Baden-Baden noch einen größeren Betrieb.

Dass die Rasse heute noch existiert, hängt ziemlich stark an einer Person, Otto Stritzel. Schäfer und Tuchmeister, der einen einheimischen Tweedstoff nach englischem Vorbild weben wollte. Er suchte eine passende Faser dafür, einige Schäfer kannten noch das Coburger Fuchsschaf und es gab noch einzelne Tiere, verstreut.

1943 hat er mit etwa 30 Tieren eine kleine Zucht begonnen, mitten in der NS-Zeit. Er hat gezielt andere Rassen eingekreuzt, ohne die grobe, tweedtaugliche Wolle zu verlieren, und so Schritt für Schritt ein neues Zuchtziel aufgebaut. Später kam Schäfermeister Walter Rössle dazu, zusammen haben sie das weiter vorangetrieben.

1962 war das Zuchtziel erreicht, 1966 wurde das Coburger Fuchsschaf als eigene Landschaftsrasse von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft anerkannt, 130 Muttertiere wurden damals ins Herdbuch aufgenommen. Ende der 60er-Jahre haben Stritzel und Rössle getrennte Schäfereien mit Coburger Fuchs aufgebaut und die Rasse weiter verbreitet. 1982 wurde sie dann erstmals in Bayern bei einer Ausstellung gezeigt und ist seitdem bei größeren Schafrassenausstellungen eigentlich immer präsent.

Bestand, Gefährdung und Genetik

Trotzdem zählt das Coburger Fuchsschaf zu den gefährdeten Nutztierrassen. Stand 2022 ist es in der Vorwarnstufe auf der Roten Liste. Im Jahr 2000 lag die Zahl in Bayern bei 48 Herdbuchbetrieben mit 1811 Muttertieren und 58 Zuchtböcken, vorher waren es, wie gesagt, mal zwei Betriebe mit etwa 100 Muttertieren. Es tut sich also was, aber im Vergleich ist das alles immer noch sehr klein.

In der Zucht gibt es das klassische Problem von engen Genpools. Spätestens in der fünften Generation sind viele der Böcke miteinander verwandt, das erhöht das Risiko für Gesundheitsprobleme. Deswegen wird bewusst immer wieder eingekreuzt, vor allem mit nah verwandten Fuchsschlägen wie dem französischen J-Typ, aber mit Blick darauf, dass die Tiere nicht zu dunkel werden und der Rassetyp erhalten bleibt.

Heute spricht man von einer relativ breiten Zuchtbasis, weil die Zuchtziele nicht mehr ganz so eng gefasst werden wie früher. Es gibt mehr Typenvielfalt innerhalb der Rasse, ohne dass Kopf, Beine, Farbe und Wolltyp komplett auseinanderlaufen. Das hält die Rasse gesünder.

Parallel dazu gibt es finanzielle Unterstützung in einigen Bundesländern wie Bayern, Hessen und Niedersachsen, weil die Bestandsgrößen so klein sind. Selbst Zoos beteiligen sich mittlerweile an der Erhaltungszucht, unter anderem wohl auch der Berliner Zoo.

Wirtschaftliche Nutzung und Slow Food

Die Wolle ist, wie gesagt, ein wichtiger Baustein. Es gibt Schätzungen, dass etwa 3000 Kilo Wolle pro Jahr für Teppichproduktion geeignet sind. Klingt erst mal viel, ist aber in der Textilwelt verschwindend wenig. Ein Teil geht in Projekte wie „Das Goldene Vlies eG“, ein Teil in Betriebe, die gezielt mit Coburger Fuchs arbeiten. Auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Fuchsschafzüchter e.V. gibt es z.B. eine kleine Übersicht über Verarbeiter, die mit dieser Wolle arbeiten.

Daneben spielt das Fleisch eine Rolle, vor allem in der Direktvermarktung. Unter Feinschmeckern gilt das Fleisch der Lämmer, aber auch das älterer Tiere, als begehrt. 2018 wurde der Coburger Fuchs in die „Arche des Geschmacks“ von Slow Food Deutschland aufgenommen. Slow Food kümmert sich um alte Rassen und Sorten, damit sie nicht in der Masse verschwinden.

Für mich bleibt nach all dem vor allem eins hängen, Coburger Fuchs ist deutlich mehr als „nur“ eine hübsche, beige Wolle. Es ist eine Rasse mit ziemlich wilder Geschichte, einem sehr eigenen Vlies und einer Handvoll Menschen, die sie hartnäckig durchgetragen haben.

Wenn ihr tiefer einsteigen wollt, hört in die Podcastfolge rein, da gehen wir das alles im Gespräch noch breiter durch. Die Folge findet ihr hier, https://fairewolle.de/podcast

Liebe Grüße
Daniel
fairewolle

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