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Handgemachte Maschenmarkierer aus Holz, warum mich Marjans Weg so packt

Ich sitze hier, höre unser Gespräch mit Marjan noch mal nach und merke, wie viel da drin steckt. Wir kennen uns schon länger, erst über Margit von Alte Künste, dann über meinen früheren Shop, über Handdyed Allstars, über Wolle. Heute steht bei ihr etwas ganz anderes im Mittelpunkt, und ich mag diese Entwicklung total.

Von Fernost zum eigenen Lasercutter

Marjan hat 2018 mit Maschenmarkierern angefangen. Ehrlich gesagt, erst mal ganz klassisch mit Teilen aus Fernost. Anhänger, Biegeringe, Verschlüsse, alles zugekauft, hier zusammengesetzt und als handmade verkauft. Und sie sagt selbst, das hat sich nie richtig angefühlt. Fünf Stunden am PC nach den richtigen Anhängern suchen, das ist nicht kreativ.

Über Margit sind wir ins Gespräch gekommen und ich habe sie Richtung Holzmaschenmarkierer geschubst. Sie hat dann die ersten Holzrohlinge noch in England besorgt, war weiter auf der Suche, Fernost wollte sie aber nicht mehr. Irgendwann war der Frust so groß, dass sie zu ihrem Göttergatten runter ist mit der Frage, ob sie sich einen Lasercutter holen.

Aus dem „ich brauche nur einen einfachen Cutter für Maschenmarkierer“ wurde dann eine ordentliche Maschine, die sie in den Niederlanden abgeholt haben. Seit April 2021 steht „Nastja“ im Haus und schneidet und graviert, was das Zeug hält. Und Marjan sagt, sie ist froh, dass die Röhre nicht zu stark ist. Das zwingt sie, beim Kerngeschäft zu bleiben, bei den Maschenmarkierern aus Holz, statt alles Mögliche zu machen.

100 Prozent handmade wirklich gemeint

Heute kann sie bei ihren Holzmaschenmarkierern sagen, das ist zu hundert Prozent ihr Ding. Vom Entwurf, über die Farbzusammenstellung, bis hin zu den Papieren, mit denen sie beklebt. Sie entwickelt sogar ihre eigenen Origami-Papiere, weil sie keine Lust mehr hatte auf Lizenzunsicherheit bei gekauften Designs.

Dafür hat sie einen Kurs bei einer Designerin in England gemacht, die Stoffmuster entwickelt. Da ging es um diese typischen 5 mal 5 Zentimeter-Matrizen, die nahtlos aneinandergesetzt werden, ohne dass irgendwo eine Blume abgeschnitten wird. Genau dieses Know-how nutzt sie jetzt für ihre eigenen Origami-Papiere. Keine Lizenzprobleme mehr, keine Mindestmengen, alles aus einer Hand.

Wenn sie auf Märkten steht, hängt bei ihr ein Plakat mit „100% handmade“. Und das ist nicht einfach so eine Floskel. Sie malt die Maschenmarkierer per Hand an, klebt, schleift, versiegelt. Ich habe ihre ersten Entwürfe damals gesehen, ich hatte sie im Shop, ich weiß, wie viel Mühe da drin steckt.

Materialien die zum Anspruch passen

Was mich richtig beeindruckt hat, ist, wie tief sie bei den Materialien einsteigt. Sie sucht Kreidefarben, bei denen Kreide wirklich die Basis ist. Kein Acryl mit einem Löffelchen Kreide. Natürliche Farbpigmente, kein Chemiegedöns. Versiegelt werden die Markierer mit einem Bienenwachs-Gemisch ohne Lösungsmittel, ihre Ohrringe sogar mit reinem Bienenwachs, weil sie nichts an der Haut haben möchte, was nicht sauber ist.

Beim Kleber arbeitet sie mit Fischleim, also auch ein natürliches Material. Den stellt sie nicht selbst her, irgendwo sind auch Grenzen, sagt sie ganz klar. Sie hat auch mal versucht, selbst Wachs-Öl-Mischungen zu machen, aber das Öl kippt beim ständigen Erwärmen zu schnell. Dann kannst du ganze Chargen wegwerfen, und dafür ist ihr das Bienenwachs zu schade. Deswegen jetzt: reines Bienenwachs und ein fertiges, lösemittelfreies Wachsgemisch eines Anbieters, dem sie vertraut. Für mich ist das radikale Qualitätssicherung.

Spannend fand ich auch, dass sie jedes einzelne Häkchen kontrolliert. Ja, die kommen aus Fernost, weil es die sonst nirgends gibt, aber sie geht eben jedes Teil durch. Sie will keinen Maschenmarkierer verkaufen, bei dem der Verschluss beim ersten Einsatz auseinanderfällt. Ich finde, allein damit hebt sie sich schon massiv vom Markt ab.

Vom OP-Saal zum eigenen kreativen Platz

Marjan war lange in einem ganz anderen Umfeld unterwegs. Sie hat als OP-Schwester gearbeitet, mit allem, was dazu gehört. Ambulanz, Steri, Chefarztsprechstunde, Rufbereitschaften. Erster Burnout. Dann Wechsel in die Schmerzambulanz, was auch nicht besser war. Zweiter Burnout, dann der Absprung.

Danach noch im Familienbetrieb, fünf Jobs gleichzeitig, Mindestlohn, viel Verantwortung, wenig Wertschätzung. Und dann der Punkt, an dem sie gesagt hat, ich habe meinen eigenen Betrieb, ich konzentriere mich auf meins. Mit 50 kam für sie dieses „wenn nicht jetzt, wann dann“.

Heute sagt sie, sie ist da angekommen, wo sie hingehört. Sie tritt auf Märkten ganz anders auf, weil sie weiß, das ist ihr Business, da macht ihr keiner mehr was vor. Das merkt man auch in unserem Gespräch, finde ich. Sie sieht klar ihren Unique Selling Point, nämlich Holzmaschenmarkierer, die in dieser Form sonst niemand macht. Handgefärbte Wolle gibt es viele, sagt sie, Holzmaschenmarkierer so, wie sie sie macht, eben nicht.

Warum ein schöner Maschenmarkierer mehr ist als Deko

Wir sind uns einig, Maschenmarkierer kann man auch improvisieren. Sicherheitsnadel, Büroklammer, Faden, alles möglich. Marjan sagt aber, ein schöner, handgemalter Holzmaschenmarkierer macht einfach Spaß. Und genau darum geht es ihr.

Man gibt so viel Geld für Wolle aus, investiert richtig Zeit ins Stricken und Häkeln. Einen Pulli strickt man nicht in zwei Stunden. Warum dann nicht ein kleines Stück Freude in Form eines besonderen Maschenmarkierers dazu? Selbst wenn es nur einer ist, du kommst am Ende jeder Runde wieder an genau diesem Punkt an. Das ist ein anderer Moment, als wenn da ein Plastikknubbel hängt.

Klar, auf Märkten laufen auch Leute vorbei, die sagen, so einen Scheiß braucht man nicht, eine Sicherheitsnadel tut es auch. Da sagt sie inzwischen, sie ist nicht da, um alle zu überzeugen. Dann gehen die halt weiter. Für mich ist das eine gesunde Haltung.

Messestand und Social Media als Bühne für echtes Handwerk

Ich mag ihre Messestände total. 2023 hat sie die ersten Märkte gemacht, noch mit Klapptischen, Lochplatten und Kabelbindern. 2024 dann Berlin, wieder mit diesem „Pappedeckes-Kram“, wie ihr Mann es nennt. Auf der Rückfahrt war klar, mit dem Stand nie wieder.

Seitdem haben sie zuhause das Wohnzimmer zweckentfremdet. Esstisch in die kleinste Ecke geschoben, den Stand aufgebaut, wochenlang stehen lassen, immer wieder draufgeguckt und optimiert. Input von den Eltern, von den Stieftöchtern, von den Söhnen. So kamen Zwischenwände dazu, Ideen für Set-Präsentation und als Krönung ein kleiner Fernseher, auf dem sie ihre YouTube-Videos laufen lässt. Die Idee kam von ihrer Mutter, der Tipp mit dem Campingfernseher vom lokalen Computer-Fritzen.

Heute hat sie ein durchdachtes System mit nummerierten Wänden und Stativen, weiß genau, welche Teile sie für drei Meter Stand braucht und welche Rückwände sie im Anhänger lassen kann. Sie spannt die Wände im Büro vor, hängt die Maschenmarkierer dort ein und spart sich vor Ort Stunden beim Aufbau.

Auf Instagram und YouTube zeigt sie viel von diesem Alltag. Kein großes Konzept, eher Handy hinstellen, Mikro dran, aufnehmen, was gerade wirklich passiert. Erfolgreich, frustriert, müde, konzentriert. Sie sagt selbst, sie ist schlecht im Planen von Content, sie kann nicht am Samstag wissen, was sie Mittwoch posten will. Also nimmt sie ihre Follower einfach in Echtzeit mit.

Adventskalender mit Krimi Flair und Holz

Spannend finde ich auch, wohin das alles führt. Marjan macht inzwischen Adventskalender, die deutlich über „24 Tütchen“ hinausgehen. Ihr erster war noch ein reiner Maschenmarkierer-Kalender, Madame Gabriel. Später dann Themen wie Christmas in the Highlands oder Weihnachten unter dem Polarlicht, mit allem drum und dran.

Sie schreibt dazu eigene Geschichten. In den 90ern hat sie schon mal zwei Krimis geschrieben, nie veröffentlicht, aber die Freude am Schreiben ist geblieben. Letztes Jahr hat sie das zum ersten Mal bewusst verknüpft: ein kleiner Krimi namens „Mord im Cozy Stitches“ als Basis für den Kalender, dazu Maschenmarkierer, Wolle, Häkelanleitung, Stickanleitung, Rezepte und andere Goodies.

Dieses Jahr geht es mit denselben drei Hauptfiguren weiter, wieder Ende 50er, Anfang 60er Jahre. Die Mädels fahren nach London zu einer Wollbörse, und natürlich passiert da wieder etwas. Für all das nimmt sie sich jetzt im Sommer bewusst Zeit, sagt Märkte ab, um schreiben und entwickeln zu können.

Wenn du tiefer einsteigen willst in Marjans Weg, ihre Holzmaschenmarkierer und den ganzen Kosmos drumherum, hör dir die komplette Podcast-Folge an. Du findest sie hier

Handgemachte Maschenmarkierer aus Holz mit Atelier Marie-Lucienne

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