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Vom Grafikdesign zum Filzfell, Jawoll und die Magie der Rohwolle

Auf der niederländischen Insel Texel, wo ihre Familie mütterlicherseits verwurzelt ist, begann für sie alles. Während eines Fellfilz-Workshops mit einer Cousine entdeckte sie 2014 ein Handwerk, das sie sofort in seinen Bann zog. Das Zusammenspiel aus Naturmaterial, körperlichem Einsatz und dem direkten Arbeiten mit den Händen faszinierte sie so sehr, dass sie 2019 mit einem Auto voller Rohwolle von Texeler Schafen nach Hause zurückkehrte. Damals ahnte sie noch nicht, dass daraus ein neues Kapitel entstehen würde: die Fellfilzerei Jawoll.

Ein bewusster Schritt zurück zum Handwerk

26 Jahre lang hatte sie als selbstständige Grafikerin gearbeitet, doch irgendwann fehlte ihr das Haptische. „Das digitale Gestalten war mir zu wenig greifbar“, sagt sie. Der Workshop auf Texel wurde zum Wendepunkt. Zurück in der Schweiz, begann sie im Garten eigene Felle zu filzen, und merkte schnell, dass es nicht so einfach war, wie es aussah. Manchmal hielt das Fell, manchmal nicht. Der Wunsch, das Handwerk wirklich zu verstehen, führte sie zu einer dreijährigen Ausbildung zur Filzgestalterin bei Wollknoll, die sie 2025 abschloss. 2020 gründete sie Jawoll, ein Label, das für sie mehr ist als ein Name: „Jawoll, Ja zur Wolle. Ich habe Ja zur Wolle gesagt und damit auch Ja zu einem neuen Lebensabschnitt.“

Rohwolle direkt vom Schaf, und die Menschen dahinter

Ihre Wolle bezieht sie von Schafhaltungen in den Schweizer Kantonen Graubünden, Luzern, Bern und Wallis. Besonders wichtig ist ihr der direkte Kontakt zu den Schafhaltenden. Sie ist bei der Schur dabei, unterstützt das Team während der oft langen Tage und erhält dafür einen Teil der Wolle. „Mein Lohn ist sozusagen die Wolle“, erklärt sie. Die Zusammenarbeit geht über das Geschäftliche hinaus: Gemeinsam wird gearbeitet, gegessen und erzählt. Am Ende fährt sie mit mehreren Big Bags voller ungewaschener Vliese nach Hause, nudelfertig, aber glücklich. „Ich kenne die Menschen, von denen meine Wolle stammt, und erlebe die Tiere und ihre Haltung unmittelbar.“

Dabei arbeitet sie mit einer beeindruckenden Vielfalt an Schweizer Schafrassen: Spiegelschaf, Engadinerschaf, Bündner Oberländerschaf, Saaser Mutte, Jakobschaf, Geflecktes Bergschaf, Braunes Bergschaf, Walliser Schwarznasenschaf, Walliser Landschaf und andere Schafrassen wie Jakobschaf, Ouessantschaf, Gotland Pelzschaf, Wensleydale und Romney. Dazu kommen gelegentlich Heidschnucke oder Moorschnucke. Jede Rasse hat ihren eigenen Charakter, in Farbe, Struktur und Filzeigenschaften. „Man muss lernen, die Eigenschaften eines Vlieses zu lesen und herauszufinden, was daraus entstehen kann“, sagt sie. Besonders die Walliser Schwarznase ist ein Hingucker, doch für sie ist jedes Vlies ein kleines Rohmaterial-Abenteuer.

Vom ungewaschenen Vlies zum kuscheligen Filzfell

Der Prozess beginnt beim frisch geschorenen Schaf. Das Vlies wird möglichst als Ganzes und ungewaschen verarbeitet. Auf der Schnittseite wird mit weiterer Wolle eine stabile Filzschicht aufgebaut, während die natürliche Fellseite erhalten bleibt. So entsteht ein Fell mit einer robusten, filzigen Rückseite und der charakteristischen Optik eines Schafsfells. Möglichst viel Rohwolle kommt dabei zum Einsatz, seit sie einen Wollpicker nutzt, kann sie auch aufgepickte Rohwolle verarbeiten. Kardierte Wolle bezieht sie teilweise von Wollknoll oder lässt Schweizer Rohwolle regional bei ASCO in Arth kardieren.

„Kein Vlies ist gleich“, sagt sie. Manche sind weich und knuffig, andere wild und haarig, die Farben reichen von fast Weiß über Cappuccino bis zu tiefem Braun. Und weil die Wolle ungewaschen ist, bleibt bis zum Schluss eine gewisse Spannung: „Man weiß am Anfang nie ganz genau, wie das fertige Fell aussehen wird.“ Am Ende steht jedes Mal eine kleine Metamorphose, aus der Rohwolle direkt vom Schaf wird ein kuscheliges Filzfell.

Workshops, die Wissen und Begeisterung weitergeben

Ihre Ganztagesworkshops beginnen morgens um acht und enden oft erst am späten Abend. Teilnehmende reisen aus der ganzen Schweiz oder sogar aus dem Ausland an, manche übernachten im Camper oder verbinden den Workshop mit ihren Ferien. Der Tag beginnt mit der Auswahl eines ungewaschenen Vlieses, es riecht nach Schaf, das Lanolin ist spürbar, und die Vielfalt der Farben und Strukturen wird greifbar. „Mir ist wichtig, dass die Teilnehmenden verstehen, was beim Filzen passiert und warum wir Wasser, Seife, Reibung und Bewegung brauchen“, erklärt sie. Am Ende wird das Fell gewaschen und geschleudert, und aus dem ungewaschenen Vlies ist ein sauberes, kuscheliges Filzfell geworden. „Das Schönste ist, mein Wissen weiterzugeben und zu sehen, wie jemand am Ende des Tages sein eigenes Fell in den Händen hält und strahlt.“

Für die Zukunft hat sie noch viele Ideen. Eine eigene Fellfilzmaschine, die sie gemeinsam mit einem Freund entwickelt hat, unterstützt sie bei einem körperlich anstrengenden Arbeitsschritt, das Handwerk bleibt dabei erhalten. Workshops, Wollfestivals, Märkte und der Webshop sollen Schritt für Schritt weiterwachsen. „Ich möchte nicht alles gleichzeitig machen, sondern das, was ich tue, richtig gut machen.“ Im Mittelpunkt bleibt für sie die Wolle, das Handwerk und die Freude daran, aus einem natürlichen Rohstoff etwas Besonderes entstehen zu lassen.

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Fellfilzerei Jawoll
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Fellfilzerei Jawoll

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