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Fellfilzerei Jawoll: Wo Wolle Geschichten erzählt

25 Jahre lang hat Carmen Neumayer als Grafikerin gearbeitet. Präzise. Klar. Strukturiert. Dann reichte ihr das nicht mehr. Heute steht sie in ihrer Werkstatt in Buch am Irchel und lässt aus Rohwolle etwas entstehen, das wächst, sich verändert, und manchmal sogar eine kleine Portion Wollness mitbringt.

Vom Bildschirm zur Nassfilzwanne

Es war ein Workshop auf Texel, der alles änderte. Rohwolle, Wasser, Seife. Und etwas, das geblieben ist: der Wollvirus. „Ich wollte nicht nur gestalten, sondern mit den Händen erschaffen“, sagt Carmen. Keine Konzepte mehr, die auf dem Papier bleiben. Sondern etwas, das sich anfassen lässt. Das atmet. Das Geschichten erzählt, von den Schafen, den Alpen, den Händen, die daraus etwas Neues machen. 2020 gründete sie die Fellfilzerei Jawoll. Heute arbeitet sie dort, wo Gestaltung Körper bekommt. Und Sprache Material wird.

Ein Ort, an dem Zeit keine Rolle spielt

In der Werkstatt liegt mal ein frisch geschorenes Vlies auf dem Tisch, mal entsteht ein Teddybär aus Schweizer Wolle. Oder es wird gemeinsam gelacht, gefachsimpelt und gefilzt. „Hier darf alles seinen Platz haben“, sagt Carmen. Vor allem die Wolle. Sie kommt von Schafen aus der ganzen Schweiz, viele verbringen den Sommer auf Alpen und Weiden. Carmen ist oft dabei, wenn die Tiere geschoren werden. Sie hilft mit, hört Schafgeschichten, spürt die Wärme der Vliese. „Ich geb dir Wolle. Du lebst deinen Traum.“

Gefilzt wird mit Wasser, Seife und Muskelkraft. Ohne Chemie. Ohne Hektik. Die Felle, die dabei entstehen, sind Unikate, handgefertigt, wertschätzend, wollverliebt. Jedes Stück trägt die Spuren der Wolle in sich: die natürlichen Farben, die Strukturen, die Eigenheiten. Und manchmal auch ein bisschen von dem, was die Workshop-Teilnehmer mitbringen. Viele kommen aus Neugier. Alle gehen mit ihrem selbstgemachten Werkstück nach Hause. Und die meisten entdecken etwas, das sie gar nicht gesucht haben: die Freude daran, für ein paar Stunden ganz im Moment zu sein.

Mehr als nur ein Material

Nachhaltigkeit beginnt für Carmen bei der Wolle selbst. Sie wächst nach. Jahr für Jahr. Die Schafe müssen geschoren werden, egal ob ihre Wolle genutzt wird oder nicht. In der Fellfilzerei Jawoll bekommt sie die Wertschätzung, die sie verdient. „Es geht nicht nur um das Produkt“, sagt Carmen. „Sondern um die Tiere, das Handwerk, die Menschen.“ Und manchmal auch um eine kleine Portion Wollness.

Mehr über die Fellfilzerei Jawoll und ihre Workshops findest du im Verzeichnis.

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